Presseinformation
Klagsverband/Frauenring/AK Wien/Netzwerk Frauen- und Mädchenberatungsstellen/Allianz GewaltFREI leben: Startschuss für Staatenprüfung Österreichs
Zivilgesellschaft fordert Ausbau von Gewaltschutz, Abbau von Geschlechter-Diskriminierung und institutionelle Verankerung von Frauenpolitik
Wien, 04.12.2024. „Österreich hat sich zum Abbau von Geschlechter-Diskriminierung verpflichtet. Im Rahmen der kommenden Staatenprüfung werden wir als Zivilgesellschaft kritisch und schonungslos frauenpolitischen Handlungsbedarf aufzeigen“, sagt Theresa Hammer, fachliche Geschäftsführerin des Klagsverbands zur Durchsetzung der Rechte von Diskriminierungsopfern. Der Klagsverband bringt heute einen umfassenden NGO-Koalitionen-Bericht beim UN-Komitee zur Beseitigung jeder Diskriminierung der Frau ein. 34 Expert*innen aus 31 NGOs, Universitäten und Institutionen haben am NGO-Koalitionen-Bericht mitgeschrieben.
„Ich fordere von der kommenden Regierung echte und proaktive Gleichstellungspolitik, um dem Backlash der letzten Jahre entgegenzutreten. Frauenpolitik braucht institutionelle Verankerung. Dazu gehört ein eigenständiges und budgetär entsprechend ausgestattetes Frauenministerium“, betont Klaudia Frieben, Vorsitzende des Österreichischen Frauenrings, zum Auftakt der Staatenprüfung. „Gerade in Krisen und in Zeiten eines antifeministischen Backlashs darf nicht bei den Frauen gespart werden“, ergänzt Eva Burger, Leiterin der Abteilung Frauen und Familie der Arbeiterkammer Wien und eine der Autor*innen des Berichts. „Zwei Drittel des Gender Pay Gaps sind nicht durch strukturelle Benachteiligung erklärbar. Die Vermutung liegt nahe: Das ist Lohndiskriminierung!“, ergänzt Eva Burger, Leiterin der Abteilung Frauen und Familie der Arbeiterkammer Wien und eine der Autor*innen des Berichts. „Gleichberechtigung ohne gleichen Lohn für gleiche Arbeit kann es nicht geben! Wir fordern daher die effektive und rasche Umsetzung der Lohntransparenz NEU ab 25 Mitarbeiter*innen. Und wir fordern ein Familienarbeitszeitmodell: Für halbe-halbe bei der Elternteilzeit soll es einen steuerfreien Bonus von 350 Euro pro Elternteil geben.“
Sophie Hansal, Geschäftsleitung des Netzwerks österreichischer Mädchen- und Frauenberatungsstellen und Sprecherin der Allianz GewaltFREI leben, verweist darauf, dass in Österreich jede dritte Frau Opfer von körperlicher oder sexueller Gewalt wird. „Männliche Gewalt gegen Frauen ist immer noch Alltag in Österreich. Um Gewalt wirklich zu stoppen, muss die kommende Regierung bestehende Unterstützungseinrichtungen im Gewaltschutz und in der Gewaltprävention absichern und ausbauen“, so Hansal abschließend.
Rückfragen und Kontakt:
Paul Haller, BA BA MA
Klagsverband zur Durchsetzung der Rechte von Diskriminierungsopfern
+43 1 961 05 85-13
www.klagsverband.at
Mag.a Eva Maria Zenz
Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser (AÖF)
Koordination der Allianz GewaltFREI leben
+43 660 90 60 611
www.aoef.at


v.l.n.r.: Doris Schmidauer, Ehefrau des Bundespräsidenten; Maja Markanović-Riedl, Geschäftsführerin Verein AÖF; Elisabeth Cinatl, Geschäftsleiterin Verein wendepunkt, Frauenhaus und Frauenberatungsstelle
Fotorechte: Österreichische Präsidentschaftskanzlei
Presseinformation
Heute sicher. Morgen sicher!
Frauenhäuser bieten Schutz, leistbares Wohnen schafft Perspektiven
Wien, 27.11.2024. Der gefährlichste Ort für Frauen ist oft das eigene Zuhause. Im Jahr 2024 zählt Österreich bereits 27 Femizide und 39 Fälle schwerer Gewalt gegen Frauen. Der häufigste Tatort: eine Wohnung. Doch genau dort, wo Gewalt passiert, kann auch ein Neuanfang entstehen. Für viele Frauen ist die drängendste Frage nach dem Verlassen einer Gewaltbeziehung: Wohin? Frauenhäuser bieten in diesem entscheidenden Moment Schutz, Sicherheit und Hoffnung.
Die Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen endet nicht an den Türen der Frauenhäuser
Die Schutzeinrichtungen sind mehr als ein Dach über dem Kopf: Sie geben Frauen und Kindern die Möglichkeit, zur Ruhe zu kommen und Perspektiven zu entwickeln. Doch Gewaltschutz darf nicht an den Türen der Frauenhäuser enden. Damit auch die weiteren Schritte in ein selbstbestimmtes Leben nach einem Frauenhausaufenthalt möglichst hürdenfrei sind, ist leistbares Wohnen als wesentlicher Bestandteil der Gewaltprävention unverzichtbar: Es öffnet Türen zu Sicherheit, Stabilität und Zukunftsperspektiven. Deshalb müssen wir als Gesellschaft die Strukturen schaffen, die betroffenen Frauen ein gewaltfreies Leben ermöglichen.
Unsere Forderungen an Politik und Gesellschaft
Der Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser ruft die zukünftige Regierung und die Bundesländer auf, ihrer Verantwortung gerecht zu werden und die vollständige Umsetzung der Istanbul-Konvention, die Österreich 2013 ratifiziert hat, weiter voranzutreiben. Konkret fordern wir:
- Einen bundesweiten Zugang zu Frauenhäusern:
Der Schutz vor Gewalt darf keine geographischen Grenzen kennen. Daher fordern wir den Abbau föderalistischer Hürden, sodass jede Frau, unabhängig ihres Wohnortes, in einem Frauenhaus in Österreich Zuflucht finden kann. - Den Ausbau von Frauenhausplätzen, vor allem in ländlichen Regionen:
Frauenhausplätze müssen auch in ländlichen Regionen ausreichend zur Verfügung stehen. Es muss sichergestellt sein, dass betroffene Frauen und Kinder unmittelbar Schutz finden. - Mehr leistbaren, dauerhaften Wohnraum für gewaltbetroffene Frauen:
Frauen und Kinder müssen nach einem Aufenthalt im Frauenhaus unkomplizierten Zugang zu leistbarem Wohnraum erhalten, um nachhaltig ein gewaltfreies Leben führen zu können. - Langfristige Finanzierung von Frauenhäusern:
Die Frauenhäuser sind eine unverzichtbare Säule im Gewaltschutz. Deshalb fordern wir eine nachhaltige, dauerhafte Finanzierung.
Gemeinsam Verantwortung übernehmen
Gewalt gegen Frauen ist kein individuelles, sondern ein strukturelles, gesamtgesellschaftliches Problem. Wir alle – Politik, Institutionen und Zivilgesellschaft – sind in der Verantwortung, eine Gesellschaft zu schaffen, in der jede Frau und jedes Kind sagen kann: Heute sicher. Morgen sicher!
Statements der Podiumsteilnehmer*innen:
Doris Schmidauer, Ehefrau des Bundespräsidenten:
„Ich wünsche mir, dass es irgendwann die Frauenhäuser nicht mehr braucht. Weil unsere Gesellschaft frei von geschlechtsspezifischer Gewalt ist. Weil Frauen, keiner häuslichen Gewalt mehr ausgesetzt sind. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Bis dahin braucht es auch die Autonomen österreichischen Frauenhäuser.“
Maja Markanović-Riedl, Geschäftsführerin des Vereins Autonome Österreichische Frauenhäuser:
„Unser dringender Appell an die zukünftige Regierung und die Bundesländer: Sparen Sie nicht am Gewaltschutz! Im Gegenteil: Es braucht einen Ausbau der Frauenhäuser, insbesondere im ländlichen Raum. Und es braucht mehr dauerhaften, leistbaren Wohnraum für gewaltbetroffene Frauen und Kinder nach dem Frauenhausaufenthalt!“
Elisabeth Cinatl, Geschäftsleiterin Verein wendepunkt – Frauenhaus und Frauenberatungsstelle Wiener Neustadt:
„Der Schritt aus einer Gewaltbeziehung heraus erfordert viel Mut. Die Frauenhäuser stehen Frauen, die von häuslicher Gewalt betroffen sind, und ihren Kindern rund um die Uhr zur Verfügung. Neben Schutz und Unterkunft bieten Frauenhäuser Beratung und Begleitung beim Aufbau eines selbstbestimmten und gewaltfreien Lebens – leistbarer Wohnraum ist für diesen Weg ein existentieller Beitrag.“
Jan Wunderlich, Koordinator feministische Männerarbeit StoP – Stadtteile ohne Partnergewalt:
„Ich möchte auch mit dem Mythos aufräumen, Männer würden etwas verlieren, wenn sie sich für Geschlechtergerechtigkeit einsetzen. Das kann beispielsweise bedeuten, sich klar gegen sexistische Witze von Kollegen zu positionieren. Es kann auch bedeuten, dass man sich um andere kümmert wie etwa in der Kinderbetreuung oder der Pflege von Angehörigen. Es liegt vor allem an uns Männern: Übernehmen wir Verantwortung, brechen wir mit starren Rollenbildern!“

v.l.n.r.: Doris Schmidauer, Ehefrau des Bundespräsidenten; Maja Markanović-Riedl, Geschäftsführerin Verein AÖF; Elisabeth Cinatl, Geschäftsleiterin Verein wendepunkt, Frauenhaus und Frauenberatungsstelle; Jan Wunderlich, Koordinator feministische Männerarbeit StoP - Stadtteile ohne Partnergewalt
Fotorechte: Österreichische Präsidentschaftskanzlei
Rückfragen und Kontakt:
Annika Schwaiger
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Verein AÖF
Tel. +43 (0) 660 11 45 836
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Verein AÖF erhält Bruno-Kreisky-Preis für Verdienste um die Menschenrechte
Wien, 9.10.2024. Für seinen jahrzehntelangen Einsatz gegen geschlechtsspezifische Gewalt wurde der Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser (AÖF) mit dem Bruno-Kreisky-Preis für Verdienste um die Menschenrechte ausgezeichnet. Die feierliche Verleihung fand am 4. Oktober im Bruno Kreisky Forum für internationalen Dialog statt.
Der Bruno-Kreisky-Preis für Verdienste um die Menschenrechte ist der älteste und renommierteste Preis seiner Art in Österreich. Er wird an Organisationen und Personen verliehen, die sich besonders für die Förderung der Menschenrechte einsetzen. Mit dieser Auszeichnung wird die zentrale Botschaft des AÖF unterstrichen: Gewalt gegen Frauen ist immer eine Verletzung grundlegender Menschenrechte.
„Stellen wir uns eine Welt vor, in der es keine Morde an Frauen mehr gibt, eine Welt, in der Frauen nicht gedemütigt, vergewaltigt, geschlagen werden. Eine Welt, in der Frauen einfach nur die selben Rechte haben wie Männer! Wir als Autonome Österreichische Frauenhäuser wollen uns das nicht nur vorstellen. Wir kämpfen dafür dieser Realität jeden Tag näher zu kommen“, betonte Maja Markanović-Riedl, Geschäftsführerin des Vereins, in ihrer Rede.
Die Mitarbeiterinnen in den Frauenhäusern sind dabei zentral: Sie bieten Frauen und Kindern, die von Gewalt betroffen sind, Unterstützung und Begleitung. Die Verleihung des Preises ist daher auch eine Anerkennung ihrer wertvollen Arbeit.
Die Situation in Österreich ist alarmierend: Jede dritte Frau erlebt ab ihrem 15. Lebensjahr körperliche oder sexualisierte Gewalt. Diese Statistik verdeutlicht die Dringlichkeit der Tätigkeit des AÖF und die Notwendigkeit tiefgreifender gesellschaftlicher Veränderungen.
In ihrer Laudatio betonte Beate Winkler, ehemalige Direktorin der EU- Grundrechtsagentur, die Bedeutung der Arbeit des AÖF: „So ist die Verleihung des Bruno-Kreisky Menschenrechtspreises 2024 nicht nur eine Würdigung und Ermutigung für all diejenigen, die die Arbeit des Verein tragen, sondern er schärft auch das öffentliche und politische Bewusstsein über die Situation von Gewalt betroffenen Frauen und Kindern in Österreich – und macht Mut für die Gestaltung einer gemeinsamen Zukunft, in der Männer und Frauen in Chancengleichheit leben und sich gewaltfrei begegnen – in einer Kultur der Menschenrechte.“
Das Tätigkeitsfeld des Vereins umfasst neben der Opferschutzarbeit in den 16 Frauenhäusern fünf wesentliche Säulen: die Frauenhelpline gegen Gewalt 0800 222 555, den HelpChat www.haltdergewalt.at, die Informationsstelle gegen Gewalt, das Gewaltpräventionsprojekt StoP - Stadtteile ohne Partnergewalt und das Empowerment-Zentrum BAKHTI für Mädchen* und junge Frauen*.
Rückfragen und Kontakt:
Annika Schwaiger, BA BA MA
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
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Presseaviso
Online-Pressekonferenz: Europarat stellt Lücken im Gewaltschutz für Frauen in Österreich fest
Allianz GewaltFREI leben zeigt nach wie vor fehlende Maßnahmen zur Umsetzung der Istanbul-Konvention in Österreich auf
Wien, 12.9.2024. Am 10. September 2024 hat GREVIO, der Expert*innenausschuss des Europarates, seinen Evaluierungsbericht zur Umsetzung der Istanbul-Konvention in Österreich veröffentlicht. Darin halten die GREVIO-Expert*innen fest, dass Österreich einerseits wichtige Maßnahmen im Gewaltschutzbereich eingeführt hat, weisen aber andererseits auch auf gravierende Lücken hin. Dazu zählen z.B. die im internationalen Vergleich hohe Anzahl an Femiziden in Österreich, das Fehlen einer systematischen Aus- und Fortbildung für Richter*innen und Staatsanwält*innen zum Thema geschlechtsspezifische Gewalt und dass Kinderbetreuungseinrichtungen und Schulen ausnahmslos bei einem Betretungs- und Annäherungsverbot darüber informiert werden müssen.
Zu diesem Anlass lädt die Allianz GewaltFREI leben, unter der Koordination des Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser (AÖF) und des Netzwerks Österreichischer Frauen- und Mädchenberatungsstellen (FMBS) zur Online-Pressekonferenz ein.
Zeit: Montag, 16. September 2024, 10:00 - 11:00 Uhr
Ort: online via Zoom
Zugangsdaten:
Link: https://us02web.zoom.us/j/87698182977?pwd=CcGg9p599G5ju9aaTS4ZKbLntTTmna.1
Meeting-ID: 876 9818 2977
Kenncode: 675452
Podiumsteilnehmerinnen:
• Dr.in Katharina Beclin, Juristin, Institut für Strafrecht und Kriminologie der Universität Wien
• Andrea Czak, MA, Obfrau Verein Feministische Alleinerzieherinnen - FEM.A
• Klaudia Frieben, Vorsitzende des Österreichischen Frauenrings
• DSAin Ursula Kussyk, Leitung Notruf Frauenberatung
• Mag.a Elisabeth Udl, Verein NINLIL - Empowerment und Beratung für Frauen mit Behinderung
Moderation: Jenny-Kerstin Bauer, MA, stv. Geschäftsleitung des Netzwerks Österreichischer Frauen- und Mädchenberatungsstellen (FMBS)
Organisation und technischer Support: Mag.a Eva Maria Zenz, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser (AÖF)
Die Allianz GewaltFREI leben leben fordert die künftige Regierung und die entsprechenden staatlichen Stellen auf, die Empfehlungen des GREVIO-Komitees zeitnah umzusetzen. Dazu zählen u.a. eine einheitliche gesetzliche Definition von geschlechtsspezifischer Gewalt nach der Istanbul-Konvention, ein nachhaltiger Aktionsplan und eine Strategie zur Bekämpfung aller Formen von Gewalt gegen Frauen und Kinder nach der Istanbul-Konvention, das Bereitstellen angemessener finanzieller Ressourcen für alle Strategien und Maßnahmen gegen geschlechtsspezifische Gewalt und den Unterstützungseinrichtungen, wie auch Prävention sowie Zugang zu Gewaltschutzeinrichtungen und der Justiz für alle Frauen.
Über die Allianz GewaltFREI leben
Die Allianz GewaltFREI leben ist ein Zusammenschluss von österreichischen Opferschutzeinrichtungen, zivilgesellschaftlichen Organisationen und Privatpersonen. Die Mitglieder haben 2016 gemeinsam den NGO-Schattenbericht zur Umsetzung der Istanbul-Konvention verfasst. Seitdem setzt sich die Allianz GewaltFREI leben dafür ein, dass die Vorgaben der Istanbul-Konvention gegen Gewalt an Frauen und häusliche Gewalt eingehalten und die GREVIO-Empfehlungen in Österreich tatsächlich umgesetzt werden.
Rückfragen und Kontakt:
Mag.a Eva Maria Zenz
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser (AÖF)
Tel.: +43 (0) 660 90 60 611
www.aoef.at
Jenny-Kerstin Bauer, MA
stv. Geschäftsleitung
Netzwerk Österreichische Frauen- und Mädchenberatungsstellen (FMBS)
Tel: +43 677 648 942 87
https://netzwerk-frauenberatung.at

Presseinformation
StoP - Stadtteile ohne Partnergewalt wird in ganz Österreich weiter ausgebaut
Ziel ist eine flächendeckende Gemeinwesenarbeit in der Gewaltprävention, um Gewalt an Frauen und Kindern zu verhindern
Wien, 4.9.2024. Laut Statistik Austria sind nahezu 35% der weiblichen Bevölkerung in Österreich ab ihrem 15. Lebensjahr von körperlicher und/oder sexueller Gewalt betroffen. Das Präventionsprojekt StoP - Stadtteile ohne Partnergewalt setzt sich dafür ein, durch eine aktive Nachbarschaft Gewalt an Frauen und Kindern zu verhindern – und das in ganz Österreich: Aktuell hat StoP bereits 30 Standorte in allen neun Bundesländern.
Bei einer Pressekonferenz am 4. September in Wien gaben AÖF-Geschäftsführerin Maja Markanović-Riedl, Sozialminister Johannes Rauch und Christina Kopf, Gesamtkoordinatorin von StoP - Stadtteile ohne Partnergewalt sowie die Bezirksvorsteher*innen des 7. und 9. Bezirks, Markus Reiter und Saya Ahmad, den weiteren Ausbau des Projekts in ganz Österreich bekannt. Insgesamt werden bis zu 17 neue Standorte in den nächsten zwei Jahren österreichweit implementiert. Mit 1. September 2024 startet StoP in Wien in den Bezirken Neubau und Alsergrund. Vorerst sind Erweiterungen im Burgenland, in Graz und in Salzburg-Land geplant.
Der kontinuierliche bundesweite Ausbau von StoP trägt durch Gemeinwesenarbeit zum Gewaltschutz bei. Zivilcourage wird gefördert und ein Bewusstsein über Dynamiken von geschlechtsspezifischer Gewalt geschaffen. Nachbarschaften setzen sich aktiv gegen häusliche Gewalt ein: Allein im letzten Projektjahr (Juni 2023 bis Mai 2024) haben sich mehr als 270 Nachbar*innen und über 600 Projektpartner*innen bei StoP - Stadtteile ohne Partnergewalt engagiert. Die StoP-Koordinator*innen schulten mehr als 1.500 Interessierte in Workshops gegen Gewalt. Zudem nahmen viele Jugendliche an den Aktivitäten der Jugendarbeit teil, und mehr als 460 Männer setzten sich im Rahmen der feministischen Männerarbeit mit der Prävention von Gewalt gegen Frauen auseinander. Besonders zentral im Projekt sind die Frauen- und Männertische sowie die Nachbarschaftstische, die regelmäßig stattfinden und viele engagierte Teilnehmer*innen zusammenbringen. Ergänzend dazu wurden über 3.000 Gespräche mit interessierten Personen geführt.
StoP ist ein stets wachsendes Netzwerk aus engagierten Nachbar*innen und Projektpartner*innen, die Verantwortung übernehmen und gegen Gewalt in der Partnerschaft aktiv werden. Gemäß dem Motto: Jede*r kann was sagen, was tun!
Statements der Podiumsteilnehmer*innen:
Maja Markanović-Riedl, Geschäftsführerin Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser (AÖF):
„Gewalt gegen Frauen findet meist im Privaten statt: In intimen Beziehungen, in Wohnungen, in Nachbarschaften. Die Täter sind dabei keine Unbekannten: Ex-Partner, Ehemänner, Väter, Söhne. Doch häusliche Gewalt ist keine Privatsache. Mit StoP - Stadtteile ohne Partnergewalt machen wir Gewalt gegen Frauen sichtbar und setzen uns gemeinsam mit engagierten Nachbar*innen für mehr Zivilcourage und gegen häusliche Gewalt ein. Durch die Unterstützung des Sozialministeriums wird StoP nicht nur an bestehenden Standorten fortgeführt, es entstehen zusätzlich noch bis zu 17 weitere Projektstandorte, um das Angebot noch weiter auszubauen. Diese Zusammenarbeit zeigt, dass wir gemeinsam in die richtige Richtung gehen. Sie ist ein wichtiger Schritt gegen Gewalt an Frauen und für eine zivilcouragierte Gesellschaft.“
Johannes Rauch, Bundesminister für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz, BMSGPK:
„Den Großteil der Gewalterfahrung machen Frauen – egal welchen Alters – zu Hause, in ihren eigenen vier Wänden. Gewalt gegen Frauen geht dabei fast immer von Männern aus. In vielen Fällen sind es die Partner oder Ex-Partner der Opfer. Das dürfen wir niemals hinnehmen. Aus Angst oder Unsicherheit schweigen aber Augen- oder Ohrenzeugen von Gewalt noch immer viel zu oft. Das hat verheerende Folgen für die Opfer. Umso wichtiger ist es, dass Projekte wie StoP das Umfeld animieren, Verantwortung zu übernehmen und Zivilcourage zu zeigen. Nur wenn Partnergewalt aktiv angesprochen wird, kann den betroffenen Frauen geholfen werden. Aufgrund der enormen gesellschaftlichen Relevanz hat das Sozialministerium erneut einen Fördervertrag zugesagt. Über 3,25 Millionen Euro stehen in den nächsten zwei Jahren zur Verfügung. Dadurch wird es möglich weitere Projektstandorte in ganz Österreich zu eröffnen, denn genau diese Sichtbarkeit braucht es, wenn wir die Gewaltspirale nachhaltig durchbrechen wollen. Für mich als Sozialminister muss Gewaltprävention ganz oben auf der politischen Agenda stehen. Nur so können wir für echten Schutz und Sicherheit für Betroffene sorgen.”
Christina Kopf, Verein AÖF, Gesamtkoordinatorin StoP Österreich und Teamleitung Wien:
„Wir blicken bereits auf fast sechs Jahre StoP zurück. StoP - Stadtteile ohne Partnergewalt wird österreichweit umgesetzt, sowohl im urbanen als auch im ländlichen Raum. Die Koordinator*innen an den unterschiedlichen Standorten sensibilisieren lokal die Bevölkerung und arbeiten partizipativ – mit mehr als 3.200 Personen wurden im letzten Projektjahr aktivierende Gespräche geführt, welche mitunter in gemeinsame Aktionen mündeten. Dem Gewaltpräventionsprojekt liegt ein Handlungskonzept zugrunde, welches auf dem Prinzip der Gemeinwesenarbeit basiert und in der Nachbarschaft ansetzt. Das Zentrum von StoP bilden die Menschen, die sich gegen häusliche Gewalt stark machen und somit eine Unterstützung für gewaltbetroffene Personen bieten. Allein im letzten Projektjahr von Juni 2023 bis Mai 2024 haben sich mehr als 270 Nachbar*innen und über 630 Projektpartner*innen beteiligt. Sie haben nicht nur eine klare Haltung gegen Partnergewalt eingenommen, sondern sich engagiert und für ein gewaltfreies Umfeld eingesetzt.“
Markus Reiter, Bezirksvorsteher des 7. Wiener Gemeindebezirks:
„Gewalt durch den Partner ist ein Problem aller gesellschaftlichen Schichten, unabhängig von ökonomischem Status, Herkunft oder Alter. Wir haben uns bereits seit 2019 für die Neubauer*innen um dieses Projekt bemüht und freuen uns umso mehr, dass es mit dem weiteren Ausbau durch Sozialminister Rauch nun auch im 7. Bezirk startet.“
Saya Ahmad, Bezirksvorsteherin des 9. Wiener Gemeindebezirks:
„Männergewalt hat bei uns keinen Platz! Weder im Bezirk, noch in der Stadt oder der Gesellschaft. Als Menschenrechtsbezirk Alsergrund und als Menschenrechtsstadt Wien zeigen wir immer wieder auf: geschlechtsspezifische Gewalt ist eine Menschenrechtsverletzung. Daher ist es mir als Bezirksvorsteherin besonders wichtig, dass wir Verantwortung übernehmen, wenn es um Gewalt gegen Frauen* geht. Die Mitfinanzierung von StoP - Stadtteile ohne Partnergewalt durch unseren Bezirk zeigt, dass wir unserer Verpflichtung nachkommen und aktiv gegen Männergewalt vorgehen. Mit dem Projekt investieren wir in die Zivilcourage der Bewohner*innen, und dadurch auch in die Sicherheit, in die Zukunft und das selbstbestimmte Leben der Frauen*.“
Salome Lixl, Verein FOOTPRINT, Koordinatorin StoP - Stadtteile ohne Partnergewalt für die Wiener Gemeindebezirke Mariahilf und Neubau:
„Häusliche Gewalt muss aus der Unsichtbarkeit, Scham und seiner Unaussprechlichkeit geholt werden. Dazu müssen wir Partnergewalt beim Namen nennen. Wir müssen auch dorthin schauen, wo wir Gewalt bisher nicht sehen wollten. Denn je genauer wir hinschauen, desto weniger können wir wegschauen. Mit StoP in Neubau, haben wir nun die Möglichkeit einen weiteren Bezirk zu sensibilisieren. In einem ersten Schritt schauen wir, welche Strukturen und Interessierte es in 1070 bereits gibt und wo wir anknüpfen können. Durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit und Informationstreffen machen wir auf StoP aufmerksam und versuchen, möglichst viele Personen handlungsfähig zu machen und den Bezirk dadurch zu stärken. Dabei werden wir auch einen Fokus auf Barrierefreiheit legen, um wirklich allen Menschen den Zugang zu ermöglichen, sich präventiv zu informieren und sich selbst und andere vor Gewalt zu schützen. Wir freuen uns auf viele aktive Bewohner*innen, um miteinander zu lernen und zu wachsen.“
Miriam Sturm, aktive Nachbarin bei StoP:
„Der Austausch bei den Nachbarschaftstischen macht mir immer wieder bewusst, wie präsent das Thema ist – ich glaube, dass wir dieses Gefühl in der Gruppe teilen und daraus auch die Energie schöpfen, um uns weiter für das Thema einzusetzen.“
Über StoP
StoP - Stadtteile ohne Partnergewalt ist ein Gewaltpräventionsprojekt und setzt an, wo häusliche Gewalt passiert: am Wohnort, in der Nachbarschaft. Nachbar*innen werden dazu ermutigt, Zivilcourage zu zeigen und Partnergewalt nicht zu verschweigen oder zu dulden. StoP informiert und hilft, häusliche Gewalt früh zu erkennen und zu unterbrechen. Mehr Informationen siehe www.stop-partnergewalt.at.
Das StoP©-Konzept
StoP - Stadtteile ohne Partnergewalt wurde von Sabine Stövesand an der HAW Hamburg - Fakultät Wirtschaft und Soziales, Department Soziale Arbeit entwickelt und ist ein urheberrechtlich geschütztes Konzept.

Kontakt:
Eva Maria Zenz
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
AÖF - Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser
Tel.: +43 660 90 60 611
Annika Schwaiger
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
StoP - Stadtteile ohne Partnergewalt
Tel.: +43 660 11 45 836
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