
Presseinformation
StoP - Stadtteile ohne Partnergewalt wird in ganz Österreich weiter ausgebaut
Ziel ist eine flächendeckende Gemeinwesenarbeit in der Gewaltprävention, um Gewalt an Frauen und Kindern zu verhindern
Wien, 4.9.2024. Laut Statistik Austria sind nahezu 35% der weiblichen Bevölkerung in Österreich ab ihrem 15. Lebensjahr von körperlicher und/oder sexueller Gewalt betroffen. Das Präventionsprojekt StoP - Stadtteile ohne Partnergewalt setzt sich dafür ein, durch eine aktive Nachbarschaft Gewalt an Frauen und Kindern zu verhindern – und das in ganz Österreich: Aktuell hat StoP bereits 30 Standorte in allen neun Bundesländern.
Bei einer Pressekonferenz am 4. September in Wien gaben AÖF-Geschäftsführerin Maja Markanović-Riedl, Sozialminister Johannes Rauch und Christina Kopf, Gesamtkoordinatorin von StoP - Stadtteile ohne Partnergewalt sowie die Bezirksvorsteher*innen des 7. und 9. Bezirks, Markus Reiter und Saya Ahmad, den weiteren Ausbau des Projekts in ganz Österreich bekannt. Insgesamt werden bis zu 17 neue Standorte in den nächsten zwei Jahren österreichweit implementiert. Mit 1. September 2024 startet StoP in Wien in den Bezirken Neubau und Alsergrund. Vorerst sind Erweiterungen im Burgenland, in Graz und in Salzburg-Land geplant.
Der kontinuierliche bundesweite Ausbau von StoP trägt durch Gemeinwesenarbeit zum Gewaltschutz bei. Zivilcourage wird gefördert und ein Bewusstsein über Dynamiken von geschlechtsspezifischer Gewalt geschaffen. Nachbarschaften setzen sich aktiv gegen häusliche Gewalt ein: Allein im letzten Projektjahr (Juni 2023 bis Mai 2024) haben sich mehr als 270 Nachbar*innen und über 600 Projektpartner*innen bei StoP - Stadtteile ohne Partnergewalt engagiert. Die StoP-Koordinator*innen schulten mehr als 1.500 Interessierte in Workshops gegen Gewalt. Zudem nahmen viele Jugendliche an den Aktivitäten der Jugendarbeit teil, und mehr als 460 Männer setzten sich im Rahmen der feministischen Männerarbeit mit der Prävention von Gewalt gegen Frauen auseinander. Besonders zentral im Projekt sind die Frauen- und Männertische sowie die Nachbarschaftstische, die regelmäßig stattfinden und viele engagierte Teilnehmer*innen zusammenbringen. Ergänzend dazu wurden über 3.000 Gespräche mit interessierten Personen geführt.
StoP ist ein stets wachsendes Netzwerk aus engagierten Nachbar*innen und Projektpartner*innen, die Verantwortung übernehmen und gegen Gewalt in der Partnerschaft aktiv werden. Gemäß dem Motto: Jede*r kann was sagen, was tun!
Statements der Podiumsteilnehmer*innen:
Maja Markanović-Riedl, Geschäftsführerin Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser (AÖF):
„Gewalt gegen Frauen findet meist im Privaten statt: In intimen Beziehungen, in Wohnungen, in Nachbarschaften. Die Täter sind dabei keine Unbekannten: Ex-Partner, Ehemänner, Väter, Söhne. Doch häusliche Gewalt ist keine Privatsache. Mit StoP - Stadtteile ohne Partnergewalt machen wir Gewalt gegen Frauen sichtbar und setzen uns gemeinsam mit engagierten Nachbar*innen für mehr Zivilcourage und gegen häusliche Gewalt ein. Durch die Unterstützung des Sozialministeriums wird StoP nicht nur an bestehenden Standorten fortgeführt, es entstehen zusätzlich noch bis zu 17 weitere Projektstandorte, um das Angebot noch weiter auszubauen. Diese Zusammenarbeit zeigt, dass wir gemeinsam in die richtige Richtung gehen. Sie ist ein wichtiger Schritt gegen Gewalt an Frauen und für eine zivilcouragierte Gesellschaft.“
Johannes Rauch, Bundesminister für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz, BMSGPK:
„Den Großteil der Gewalterfahrung machen Frauen – egal welchen Alters – zu Hause, in ihren eigenen vier Wänden. Gewalt gegen Frauen geht dabei fast immer von Männern aus. In vielen Fällen sind es die Partner oder Ex-Partner der Opfer. Das dürfen wir niemals hinnehmen. Aus Angst oder Unsicherheit schweigen aber Augen- oder Ohrenzeugen von Gewalt noch immer viel zu oft. Das hat verheerende Folgen für die Opfer. Umso wichtiger ist es, dass Projekte wie StoP das Umfeld animieren, Verantwortung zu übernehmen und Zivilcourage zu zeigen. Nur wenn Partnergewalt aktiv angesprochen wird, kann den betroffenen Frauen geholfen werden. Aufgrund der enormen gesellschaftlichen Relevanz hat das Sozialministerium erneut einen Fördervertrag zugesagt. Über 3,25 Millionen Euro stehen in den nächsten zwei Jahren zur Verfügung. Dadurch wird es möglich weitere Projektstandorte in ganz Österreich zu eröffnen, denn genau diese Sichtbarkeit braucht es, wenn wir die Gewaltspirale nachhaltig durchbrechen wollen. Für mich als Sozialminister muss Gewaltprävention ganz oben auf der politischen Agenda stehen. Nur so können wir für echten Schutz und Sicherheit für Betroffene sorgen.”
Christina Kopf, Verein AÖF, Gesamtkoordinatorin StoP Österreich und Teamleitung Wien:
„Wir blicken bereits auf fast sechs Jahre StoP zurück. StoP - Stadtteile ohne Partnergewalt wird österreichweit umgesetzt, sowohl im urbanen als auch im ländlichen Raum. Die Koordinator*innen an den unterschiedlichen Standorten sensibilisieren lokal die Bevölkerung und arbeiten partizipativ – mit mehr als 3.200 Personen wurden im letzten Projektjahr aktivierende Gespräche geführt, welche mitunter in gemeinsame Aktionen mündeten. Dem Gewaltpräventionsprojekt liegt ein Handlungskonzept zugrunde, welches auf dem Prinzip der Gemeinwesenarbeit basiert und in der Nachbarschaft ansetzt. Das Zentrum von StoP bilden die Menschen, die sich gegen häusliche Gewalt stark machen und somit eine Unterstützung für gewaltbetroffene Personen bieten. Allein im letzten Projektjahr von Juni 2023 bis Mai 2024 haben sich mehr als 270 Nachbar*innen und über 630 Projektpartner*innen beteiligt. Sie haben nicht nur eine klare Haltung gegen Partnergewalt eingenommen, sondern sich engagiert und für ein gewaltfreies Umfeld eingesetzt.“
Markus Reiter, Bezirksvorsteher des 7. Wiener Gemeindebezirks:
„Gewalt durch den Partner ist ein Problem aller gesellschaftlichen Schichten, unabhängig von ökonomischem Status, Herkunft oder Alter. Wir haben uns bereits seit 2019 für die Neubauer*innen um dieses Projekt bemüht und freuen uns umso mehr, dass es mit dem weiteren Ausbau durch Sozialminister Rauch nun auch im 7. Bezirk startet.“
Saya Ahmad, Bezirksvorsteherin des 9. Wiener Gemeindebezirks:
„Männergewalt hat bei uns keinen Platz! Weder im Bezirk, noch in der Stadt oder der Gesellschaft. Als Menschenrechtsbezirk Alsergrund und als Menschenrechtsstadt Wien zeigen wir immer wieder auf: geschlechtsspezifische Gewalt ist eine Menschenrechtsverletzung. Daher ist es mir als Bezirksvorsteherin besonders wichtig, dass wir Verantwortung übernehmen, wenn es um Gewalt gegen Frauen* geht. Die Mitfinanzierung von StoP - Stadtteile ohne Partnergewalt durch unseren Bezirk zeigt, dass wir unserer Verpflichtung nachkommen und aktiv gegen Männergewalt vorgehen. Mit dem Projekt investieren wir in die Zivilcourage der Bewohner*innen, und dadurch auch in die Sicherheit, in die Zukunft und das selbstbestimmte Leben der Frauen*.“
Salome Lixl, Verein FOOTPRINT, Koordinatorin StoP - Stadtteile ohne Partnergewalt für die Wiener Gemeindebezirke Mariahilf und Neubau:
„Häusliche Gewalt muss aus der Unsichtbarkeit, Scham und seiner Unaussprechlichkeit geholt werden. Dazu müssen wir Partnergewalt beim Namen nennen. Wir müssen auch dorthin schauen, wo wir Gewalt bisher nicht sehen wollten. Denn je genauer wir hinschauen, desto weniger können wir wegschauen. Mit StoP in Neubau, haben wir nun die Möglichkeit einen weiteren Bezirk zu sensibilisieren. In einem ersten Schritt schauen wir, welche Strukturen und Interessierte es in 1070 bereits gibt und wo wir anknüpfen können. Durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit und Informationstreffen machen wir auf StoP aufmerksam und versuchen, möglichst viele Personen handlungsfähig zu machen und den Bezirk dadurch zu stärken. Dabei werden wir auch einen Fokus auf Barrierefreiheit legen, um wirklich allen Menschen den Zugang zu ermöglichen, sich präventiv zu informieren und sich selbst und andere vor Gewalt zu schützen. Wir freuen uns auf viele aktive Bewohner*innen, um miteinander zu lernen und zu wachsen.“
Miriam Sturm, aktive Nachbarin bei StoP:
„Der Austausch bei den Nachbarschaftstischen macht mir immer wieder bewusst, wie präsent das Thema ist – ich glaube, dass wir dieses Gefühl in der Gruppe teilen und daraus auch die Energie schöpfen, um uns weiter für das Thema einzusetzen.“
Über StoP
StoP - Stadtteile ohne Partnergewalt ist ein Gewaltpräventionsprojekt und setzt an, wo häusliche Gewalt passiert: am Wohnort, in der Nachbarschaft. Nachbar*innen werden dazu ermutigt, Zivilcourage zu zeigen und Partnergewalt nicht zu verschweigen oder zu dulden. StoP informiert und hilft, häusliche Gewalt früh zu erkennen und zu unterbrechen. Mehr Informationen siehe www.stop-partnergewalt.at.
Das StoP©-Konzept
StoP - Stadtteile ohne Partnergewalt wurde von Sabine Stövesand an der HAW Hamburg - Fakultät Wirtschaft und Soziales, Department Soziale Arbeit entwickelt und ist ein urheberrechtlich geschütztes Konzept.

Kontakt:
Eva Maria Zenz
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
AÖF - Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser
Tel.: +43 660 90 60 611
Annika Schwaiger
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
StoP - Stadtteile ohne Partnergewalt
Tel.: +43 660 11 45 836

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"Safer place – Sicher unterwegs dank dir!"
Ein Projekt des Frauenhauses Wr. Neustadt - Verein wendepunkt
Das Frauenhaus Wiener Neustadt - Verein wendepunkt führt derzeit das Projekt „Safer Place – Sicher Unterwegs, dank dir!“ durch. Im Fokus des Projekts stehen Übergriffe – von Belästigungen bis zu sexualisierter Gewalt – im öffentlichen Verkehr entlang der Südbahnstrecke und ihrer Nebenstrecken.
Ob Arbeit, Schule oder Freizeit: Die Zahl der Pendler*innen steigt und neben der Pünktlichkeit ist auch das Wohlbefinden in den Öffis ein zetrales Thema. Derzeit gibt es in Österreich keine Daten, ob und wie häufig Fahrgäste belästigt werden.
Der Verein wendepunkt erhebt daher mit einer Online-Umfrage, was in den Verkehrsmitteln und im Wartebereich tatsächlich passiert und will damit Aufmerksamkeit und Sensibilisierung für das Thema schaffen und Handlungsempfehlungen formulieren.
Link zur Umfrage: https://ww2.unipark.de/uc/saferplace/
Wir freuen uns, wenn Sie/ihr zahlreich an der Umfrage teilnehmen/teilnehmt – gerne auch den Link an Freund*innen und/oder Kolleg*innen weiterleiten.
Im Rahmen des Projekts gibt es außerdem die Möglichkeit, eine gratis Infoveranstaltung und/oder einen gratis Workshop zu buchen.
Mehr über das Projekt siehe: "Safer place - sicher unterwegs, dank dir!"
Für Fragen ist das Team unter folgender E-Mail-Adresse erreichbar:
Das Projekt wird von der Arbeiterkammer Niederösterreich mitfinanziert.
Kontakt:
Mag.a Eva Zenz
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: +43 1 544 08 20-23
mobil: +43 (0) 660 90 60 611
www.aoef.at

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Unterstützung für Frauenschutzeinrichtungen in Krisenzeiten: EU-Projekt TRUST erfolgreich abgeschlossen
Wien, 28.6.2024. Der AÖF - Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser war von 2022 bis 2024 am EU-Projekt „TRUST - Standardisiert anwendbare Formen der Unterstützung und Instrumente in Krisensituationen“ beteiligt. Ziel des Projekts war es, die Kapazitäten und Widerstandsfähigkeit von Fraueneinrichtungen zu stärken, um ihre Hilfsleistungen und Interventionen während und nach der COVID-19-Krise effektiver anzupassen und zu erweitern. Zudem sollten Maßnahmen zur Vorbereitung auf zukünftige Krisen entwickelt werden. Das Projekt wurde nun erfolgreich abgeschlossen.
Krisen verschärfen Ungleichheiten und Gewalt
Die Pandemie verschärfte bestehende Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern und führte weltweit zu einem alarmierenden Anstieg von häuslicher und geschlechtsspezifischer Gewalt1, was eine immense Belastung für die Hilfsorganisationen darstellte. Die Organisationen waren enorm gefordert, um die deutlich gestiegene Anzahl an Frauen, die aufgrund von Gewalt, Missbrauch und Traumata Hilfe suchten, adäquat zu unterstützen und zu begleiten.
Seit der Covid-19-Pandemie hat sich die Situation nicht beruhigt. Wir sind fortwährend mit unterschiedlichen Arten von Krisen befasst und stehen ständig vor neuen Herausforderungen. Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine hat europaweit zu einer massiven Teuerung geführt. Die Teuerungskrise verschärft finanzielle Abhängigkeiten, erschwert den Ausweg aus Gewaltsituationen aufgrund gestiegener Kosten und intensiviert die Komplexität der Fälle bei gewaltbetroffenen Frauen und Kindern. Die Nachfrage nach Unterstützung durch Frauenschutzeinrichtungen steigt entsprechend an. Diese multiplen Krisen haben deutliche Auswirkungen auf Frauen und ihre Kinder.
Strategien für Krisensituationen entwickelt
TRUST entwickelte Strategien und Resilienzen, die auch auf andere Krisen anwendbar sind. Dazu gehörten die Erfassung und Bewertung von Maßnahmen, die von Fraueneinrichtungen ergriffen wurden, die Entwicklung von Unterstützungsinstrumenten zur Verbesserung der Nachhaltigkeit und Widerstandsfähigkeit der Einrichtungen, sowie die Förderung und Stärkung des Fachpersonals.
Die erprobten Praktiken und Tools sollen Fraueneinrichtungen dabei unterstützen, Frauen und ihre Kinder, die Opfer geschlechtsspezifischer Gewalt geworden sind, mit einem opferzentrierten und geschlechtsspezifischen Ansatz auch in Zeiten multipler Krisen wirksam zu unterstützen und zu schützen.
Die Projektergebnisse umfassen einen TRUST-Länderbericht für Österreich, das „Manual of Change - Collection of practices and processes for Women Support Services“ sowie ein „Manual of Operation“. Mehr Informationen siehe hier.
1 Häusliche Gewalt gegen Frauen und Kinder nahm während der Pandemie zu, da Lockdowns, Quarantänevorschriften und Ausgangsbeschränkungen sowohl logistische Probleme bei der Bereitstellung sicherer Räume für Betroffene als auch Einschränkungen beim Zugang zu Frauenschutzeinrichtungen verursachten, und der Weg aus Gewaltsituationen erheblich erschwert wurde.
Kontakt:
Mag.a Alicja Świtoń, Geschäftsführung
AÖF - Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser
mobil: +43 (0) 660 90 60 610
Mag.a Martina Knoll, MA, Project and Grant Officer
mobil: +43 (0) 660 48 31 654
www.aoef.at


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4 Femizide in 10 Tagen. Jeder Femizid ist einer zu viel.
Wien, 13.6.2024.
- Juni in Sankt Stefan ob Leoben, Steiermark
- Juni in Modena, Italien (Femizid an einer in Innsbruck lebenden Frau)
- Juni in Innsbruck, Tirol
- Juni in Wien, Floridsdorf
In den vergangenen 10 Tagen ermordeten in Österreich vier Männer ihnen nahestehende Frauen. Laut Medienberichten kam es im Jahr 2024 bereits zu 12 Femiziden. Der Verein der Autonomen Österreichischen Frauenhäuser (AÖF) gedenkt den Betroffenen und spricht den Angehörigen sein aufrichtiges Beileid aus.
Zur aktuellen Lage in Österreich:
Jeder Femizid ist einer zu viel. Es handelt sich dabei nicht um Einzeltaten, sondern um ein strukturelles und gesamtgesellschaftliches Problem, das daher auch Lösungen auf gesamtgesellschaftlicher Ebene erfordert.
Obwohl das Gewaltschutzgesetz in Österreich gut ist, besteht bei der Anwendung und Umsetzung Verbesserungsbedarf. Wir brauchen jetzt eine umfassende und österreichweite Gesamtstrategie seitens der Politik, um der Gewalt gegen Frauen ein Ende zu setzen. Daher fordern wir:
- Eine Stärkung des Opferschutzes, die die Rechte Betroffener in den Mittelpunkt stellt und stärkt.
- Eine langfristige und gesicherte Finanzierung der fachspezifischen Einrichtungen.
- Einen flächendeckenden Ausbau der Präventionsarbeit, die bereits in den Schulen und Kindergärten ansetzt.
Gewalt gegen Frauen geht uns alle an.
Jede Frau hat das Recht auf ein gewaltfreies Leben. Gewalt beginnt nicht erst bei körperlicher Gewalt. Sie beginnt bei einer frauenfeindlichen Haltung und einer sexistischen Einstellung. Sie beginnt, wenn einer Frau nicht geglaubt wird und ein Täter in Schutz genommen wird. Unsere Botschaft ist eindeutig: Geschlechtsspezifische Gewalt kann niemals gerechtfertigt sein. Wir müssen gesamtgesellschaftlich Verantwortung übernehmen und eine klare Position gegen jede Form der Gewalt beziehen.
Der Verein AÖF bietet deshalb gewaltbetroffenen Frauen und ihren Angehörigen Hilfe und Unterstützung:
- Die Frauenhelpline gegen Gewalt 0800 222 555 steht rund um die Uhr, mehrsprachig, anonym und kostenlos allen Frauen, Angehörigen und Interessierten zur Verfügung: www.frauenhelpline.at
- Onlineberatung HelpChat „Halt der Gewalt“ (tägl. 18-22 Uhr und jeden Fr. von 9-23 Uhr): haltdergewalt.at
Kontakt:
Mag.a Maja Markanović-Riedl
Geschäftsführung
AÖF - Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser
Tel: +43 1 544 08 20-22
mobil: +43 (0) 660 614 24 12
Mag.a Eva Zenz
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: +43 1 544 08 20-23
mobil: +43 (0) 660 90 60 611
www.aoef.at


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Internationaler Frauentag 2024: Gesamtstrategie zur Bekämpfung von geschlechtsspezifischer Gewalt an Frauen dringend notwendig
Die Femizidserie Ende Februar verdeutlicht notwendige Verbesserungen im Gewaltschutz
Wien, 8.3.2024. Auch 2024 ist das Risiko für Frauen und Mädchen, psychischer, körperlicher und/oder sexueller Gewalt durch Männer – oft der eigene Partner oder Ex-Partner – ausgesetzt zu sein, nach wie vor hoch: Laut Statistik Austria (2021) ist in Österreich jede dritte Frau von körperlicher und/oder sexueller Gewalt (erlebt ab dem Alter von 15 Jahren) betroffen. Jede vierte Frau erlebt sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz und jede fünfte Frau erfährt Stalking.
Die erschütternde Femizidserie in Wien und Niederösterreich Ende Februar ist eine sichtbare Folge der fehlenden Gewaltschutzstrategie.
„Wir brauchen eine Stärkung des Gewaltschutznetzwerkes, das aus Frauenhäusern, Frauenberatungsstellen, Gewaltschutzzentren, dem Gesundheitswesen, der Polizei und anderen wichtigen Stakeholdern besteht, sowie eine koordinierte, österreichweite Gesamtstrategie auf allen politischen Ebenen“, benennt Maja Markanović-Riedl, Co-Geschäftsführerin des Verein AÖF mögliche Maßnahmen gegen Femizide.
Es braucht Schulungen für Berufsgruppen, die mit dem Thema häuslicher Gewalt und Partnergewalt konfrontiert sind, wie z.B. Richter*innen, Ärzt*innen und Personen in pädagogischen Berufen, wie Lehrer*innen und Kindergärtner*innen, damit sie Dynamiken und Mechanismen geschlechtsspezifischer Gewalt, wie z.B. Täter-Opfer-Umkehr, verstehen und berücksichtigen.
Leistbares Wohnen als wichtiger Bestandteil des Gewaltschutzes
Nach der Covid-Krise haben nicht nur gewaltbetroffene Frauen, sondern auch Frauenhäuser und Frauenorganisationen, mit der Teuerungskrise zu kämpfen. Wir brauchen dringend leistbare Wohnungen für Frauen nach einem Frauenhausaufenthalt. Um sich aus einer Gewaltbeziehung befreien zu können, müssen Frauen die Gewissheit haben, dass sie danach ein Dach über dem Kopf haben. Gerade für Frauen mit geringen ökonomischen Mitteln sind die steigenden Wohnkosten zu einer großen Hürde geworden, sich ein selbstbestimmtes und gewaltfreies Leben aufzubauen.
Frauenhäuser sind auch Kinderschutzeinrichtungen
Die insgesamt 33 Frauenhäuser in Österreich – 16 davon sind Mitglied im Verein AÖF – bieten rund um die Uhr Schutz, Sicherheit und Unterstützung für gewaltbetroffene Frauen und ihre Kinder. Frauenhäuser sind somit auch ein wichtiger Bestandteil der Kinderschutzarbeit. Der Kinderschutz-Leitfaden von Justizministerin Alma Zadić definiert auch miterlebte Gewalt als Gewalt an Kindern. Es ist daher wichtig, dass Familienrichter*innen diesen Leitfaden in ihren Entscheidungen berücksichtigen.
Die Frauenhelpline 0800 222 555 und der HelpChat haltdergewalt.at sind erste Anlaufstellen und bieten niederschwellige Beratung. Damit jede gewaltbetroffene Frau weiß, wohin sie sich wenden kann, brauchen wir eine österreichweite Informations- und Sensibilisierungskampagne, damit die Nummer der Frauenhelpline 0800 222 555, genauso wie die Notrufnummern, in allen Haushalten bekannt ist. Ebenso tragen konkrete Präventionsprojekte zu einer Veränderung bei – diese müssen in ganz Österreich ausgebaut wurden, wie z.B. das Nachbarschaftsprojekt „StoP - Stadtteile ohne Partnergewalt“, das der Verein AÖF aktuell in mehreren Wiener Bezirken und in einer Anzahl von Bezirken in den Bundesländern durchführt (stop-partnergewalt.at).
Österreich hat sich verpflichtet, die Istanbul-Konvention umzusetzen
2013 hat Österreich die Istanbul-Konvention ratifiziert; ein Übereinkommen des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und von häuslicher Gewalt. Österreich hat sich somit verpflichtet, alles zu unternehmen, um Gewalt an Frauen und Mädchen zu verhindern. Eine gesamtumfassende Strategie für Gewaltschutz und Gewaltprävention fehlt trotzdem nach wie vor.
In eigener Sache
Mit Jänner 2024 haben Maja Markanović-Riedl und Alicja Świtoń gemeinsam die Geschäftsführung des Vereins AÖF - Autonome Österreichische Frauenhäuser übernommen. Das gesamte Team des AÖF bedankt sich bei der ehemaligen Geschäftsführerin Maria Rösslhumer für ihre jahrzehntelange Arbeit und Expertise.
Kontakt:
Mag.a Maja Markanović-Riedl
Geschäftsführung
AÖF - Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser
Tel: +43 1 544 08 20-22
mobil: +43 (0) 660 614 24 12
Mag.a Eva Zenz
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Tel.: +43 1 544 08 20-23
mobil: +43 (0) 660 90 60 611
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