Frauen stemmen deutlich mehr Sorgearbeit – fast die Hälfte mehr als Männer.
Wie oft holen Sie ihr Kind von der Schule ab? Wer organisiert Termine, Kleidung oder Geburtstage? Was haben Sie diese Woche im Haushalt von sich aus erledigt? Ob Kinderbetreuung, Pflege von Angehörigen oder die Organisation des Familienlebens – Frauen übernehmen in Österreich einen unverhältnismäßig großen Anteil der unbezahlten Care-Arbeit. Ganze 43 Prozent beträgt der sogenannte Gender Care Gap hierzulande - und zeigt auf, wie stark ungleich sich der zeitliche Aufwand für unbezahlte Care-Arbeit zwischen den Geschlechtern verteilt (OECD, 2023). Das sieht man etwa an der Karenzverteilung: Mütter nehmen sich nach der Geburt ihres ersten Kindes im Schnitt 416 Tage Karenz, Väter hingegen nur neun. Mit einer Väterbeteiligung von lediglich 16 Prozent zählt Österreich europaweit sogar zu den Schlusslichtern (ÖAW, 2026).
Die Folgen sind vielschichtig und schwerwiegend: wirtschaftliche Ungleichheit, Karrierehemmnisse und eine verstärkte psychische sowie physische Belastung für Frauen. Faktoren, die auch das Ausbrechen aus einer Gewaltbeziehung erschweren. Hinzu kommt laut einer GEQ-AT-Studie aus dem Jahr 2025: Das Risiko für körperliche Gewalt in der Familie steigt sogar, je größer die Ungleichheit in der unbezahlten Sorgearbeit. Als Gewaltpräventionsprojekt setzt sich StoP - Stadtteile ohne Partnergewalt für eine gerechtere Verteilung von Sorgearbeit zwischen den Geschlechtern ein.
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Auch Johann Strauß soll Vorzeige-Elternteil sein. (c) StoP Wien
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Vom Versorgen und Fürsorgen.
Von einer fairen Verteilung unbezahlter Sorgearbeit profitieren alle. Frauen werden entlastet, Beziehungen innerhalb von Familien stärker, Stress sinkt, Partnerschaften gewinnen an Gleichberechtigung und Stabilität.
Doch selbst wenn der Wille da ist, fehlt es oft an den Strukturen. Fehlende Unterstützung am Arbeitsplatz und finanzielle Nachteile für Familien erschweren Schritte zu einer gerechteren Aufteilung von Care-Arbeit, zumal Männer in unserer patriarchal geprägten Gesellschaft häufig die Hauptverdiener sind.
Ein Hindernis, aber genügend Gründe, es zu überwinden!
Diese Hürden dürfen nicht als Ausreden dienen. Um die Arbeitsteilung gerechter zu gestalten, muss die Verbreitung fürsorglicher Männlichkeitsbilder gefördert werden. Deshalb fordert das StoP-Projekt eine breitenwirksame Väterkarenz, eine familienfreundliche Arbeits- und Sozialpolitik, wie etwa flexible Erwerbsarbeitsmodelle, den Ausbau von Pflege- und Kinderbetreuungseinrichtungen sowie eine gesellschaftliche Anerkennung unbezahlter Sorgearbeit durch Bewusstseinsarbeit. Setzen wir uns gemeinsam dafür ein und fordern wir: Close the Gender Care Gap!
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StoP – Stadtteile ohne Partnergewalt: Verändern wir die Nachbarschaft!
Das Projekt StoP - Stadtteile ohne Partnergewalt, in Österreich koordiniert vom Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser (AÖF), ist ein Präventions- und Community-Projekt und setzt in der Nachbarschsaft an - direkt im Lebensumfeld der Menschen. StoP lädt alle dazu ein, sich aktiv gegen Partnergewalt zu engagieren: Nicht wegzusehen, Anzeichen von Gewalt zu erkennen und Verantwortung zu übernehmen.
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Eine faire Verteilung von Sorgearbeit hilft bei der Gewaltprävention. (c) StoP Wien
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Zitierte Studien:
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Gender Equality and Quality of Life (GEQAT) – Endbericht, 2025.
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Scambor, Elli, Bergmann, Nadja, Bacher-Posch, Oliver, Danzer, Lisa, Nikolatti, Ronja, Pretterhofer, Nicolas, Sauseng, Jayda & Veronika Suppan (2025). Mit Geschlechtergerechtigkeit zu Gewaltprävention. Gender Equality and Quality of Life Study Austria. https://vmg-steiermark.at/de/forschung/projekt/geq-gender-equality-and-quality-life
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Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW), Analyse „Elternkarenz wird fast nur von Frauen genutzt“, 2026.
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OECD (SIGI) – Social Institutions and Gender Index, Bereich „Discrimination in the Family“, Österreich-Daten, 2023.
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Rückfragen und Kontakt: Magdalena Riedl
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. Tel. +43 (0) 660 12 08 672 www.stop-partnergewalt.at
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