
Bild: AÖF/Lydia Mantler
Frauenhelpline gegen Gewalt 0800 222 555 erreicht mehr Frauen
Die Frauenhelpline verzeichnet einen kontinuierlichen Anstieg an Beratungen, der Bedarf bleibt weiterhin hoch. Immer mehr Frauen nutzen das kostenlose und anonyme Beratungsangebot.
Zum Internationalen Frauentag zeigt ein aktueller Blick in die Statistik der Frauenhelpline gegen Gewalt: Immer mehr Frauen und ihr Umfeld holen sich Unterstützung und Informationen zum Thema Gewalt. In den vergangenen zwei Jahren ist die Zahl der Anruferinnen bei der Frauenhelpline um rund 20 % gestiegen. Für den Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser (AÖF) ist das ein wichtiges Signal: Unterstützungsangebote werden stärker angenommen.
“Mehr Anrufe bedeuten vor allem: Frauen werden aufmerksamer auf Hilfsangebote und finden öfter den Mut anzurufen. Das zeigt, dass Information, Sichtbarkeit und Erreichbarkeit wirken", so Stefani Doynova, neue Teamleitung der Frauenhelpline gegen Gewalt.
Den Großteil der Hilfesuchenden machen Frauen aus. Im Jahr 2025 wurden rund 5.000 Anrufe (Telefonberatungen und Informationsgespräche) von Frauen gezählt, um rund 11 % mehr als 2024. Die Zahl der Männer, die sich an die Frauenhelpline wandten, blieb mit rund 300 Fällen in etwa konstant.
Diese Entwicklungen zeigen, dass nicht nur Opfer häuslicher oder sexualisierter Gewalt bereit sind, sich Unterstützung zu holen. Auch die Sensibilisierung und Hilfestellung durch das direkte Umfeld der Gewaltbetroffenen wird sichtbar. Vor allem aber holen sich mehr Frauen Hilfe und Unterstützung durch die Frauenhelpline, die nicht oder noch nicht von Gewalt betroffen sind. Neben Gewalt sind Beziehung und psychische Gesundheit die häufigsten Themen der Anrufenden.
Ausblick: Ab 2026 wird die Frauenhelpline ihre Datenerfassung nochmals erweitern. Künftig sollen spezifische Gewaltformen, etwa der Einsatz von K.o.-Mitteln oder Gewalt im Kontext von Obsorge und in der unmittelbaren Verwandtschaft systematisch miterfasst werden. Die Anonymität und Vertraulichkeit der Gespräche bleibt selbstverständlich unangetastet. Diese Erweiterung der Statistik erlaubt es, die Problemlagen der Anruferinnen noch differenzierter zu analysieren. So können Präventionsmaßnahmen noch gezielter abgeleitet werden. Die politisch Verantwortlichen sind gefordert, wirksame Maßnahmen zu setzen und die nachhaltige Finanzierung von Hilfsangeboten sicherzustellen.
| Interview mit der neuen Teamleitung der Frauenhelpline gegen Gewalt, Stefani Doynova. | ![]() |
Frage: An wen wendet sich das Angebot der Frauenhelpline gegen Gewalt 0800 222 555?
Stefani Doynova: Die Frauenhelpline richtet sich in erster Linie an Frauen und Mädchen, die von Gewalt betroffen sind. Sie ist eine erste Anlaufstelle für alle, die Beratung oder akute Unterstützung in einer Krisensituation brauchen. Wichtig ist aber: Auch Angehörige, Freund*innen und Nachbar*innen können sich an uns wenden. Viele wissen nicht, wie sie helfen sollen. Für all diese Anliegen sind wir da.
Frage: Was passiert konkret, wenn jemand anruft?
Stefani Doynova: Am anderen Ende sitzt eine erfahrene Beraterin aus unserem multiprofessionellen Team. Das Gespräch ist anonym und kostenlos. Zuerst geht es um Entlastung und Stabilisierung. Wir hören zu, ordnen die Situation gemeinsam ein und klären, welche nächsten Schritte sinnvoll sind. Je nach Bedarf vermitteln wir weiter, etwa an Frauenhäuser, Gewaltschutzzentren oder Frauen- und Mädchenberatungsstellen. Welche Schritte die Frau gehen will, kann sie immer für sich selbst entscheiden.
Frage: Die Zahlen zeigen mehr Kontakte. Wie interpretieren Sie diese Entwicklung?
Stefani Doynova: Wir sehen das grundsätzlich als positives Signal. Wenn die Anrufe steigen, bedeutet das auch, dass das Thema Gewalt enttabuisiert wird und unser kostenloses Angebot der Frauenhelpline bekannter wird. Öffentlichkeitsarbeit, Kampagnen und die stärkere Präsenz zeigen Wirkung. Gleichzeitig ist klar: Gewalt gegen Frauen ist weiterhin ein gesamtgesellschaftliches Problem. Unser Auftrag bleibt daher unverändert dringlich.
Frage: Welche neuen Entwicklungen beobachten Sie inhaltlich?
Stefani Doynova: Seit 2026 erfassen wir vertieft Beratungsthemen wie den Einsatz von K.o.-Mitteln und Gewalt in der Verwandtschaft sowie Fragen rund um Themen wie Obsorge. Wir beobachten auch, dass sich mehr Frauen Hilfe und Unterstützung durch die Frauenhelpline holen, die nicht oder noch nicht von Gewalt betroffen sind. Das zeigt, dass viele Frauen auf das Thema aufmerksam werden und den Wunsch haben, sich zu informieren.
Frage: Welche Rolle spielt der HelpChat, die Onlineberatung gegen Gewalt für Frauen und Mädchen, die in Österreich leben?
Stefani Doynova: Unsere Erfahrung zeigt, dass der HelpChat die Hemmschwelle, sich Unterstützung zu holen, senkt. Viele Betroffene möchten nicht telefonieren, sei es, weil viele jüngere Frauen lieber schreiben, Sprachbarrieren bestehen oder diskretes Telefonieren gerade nicht möglich ist. Für sie ist der HelpChat unter www.helpchat.at oft der erste, niederschwellige Zugang zu Beratung gegen gegen häusliche Gewalt.
Frage: Was können Angehörige oder Freund*innen konkret tun, wenn sie Betroffene kennen oder Gewalt in ihrem Umfeld erleben?
Stefani Doynova: Das Wichtigste ist: zuhören und ernst nehmen! Betroffene Frauen brauchen in dieser Situation keine schnellen Tipps. Sie brauchen Vertrauen und Sicherheit, dass ihnen geglaubt wird. Hilfreich ist: ruhig ansprechen, Unterstützung anbieten, nichts aufzwingen und Informationen zu Hilfsangeboten wie der Frauenhelpline 0800 222 555 teilen.
Frage: Wo können sich Angehörige informieren?
Stefani Doynova: Direkt bei der Frauenhelpline. Wir beraten ausdrücklich auch das Umfeld. Zusätzlich verweisen wir an Frauen- und Mädchenberatungsstellen und spezialisierte Angebote. Niemand muss mit dieser Unsicherheit allein bleiben.
Frage: Wie können wir Betroffenen das Gefühl geben, dass sie sich melden können?
Stefani Doynova: Indem wir als Gesellschaft klar signalisieren: Gewalt ist keine Privatsache. Sich Hilfe zu holen, ist ein mutiger Schritt. Die Sichtbarkeit von Hilfsangeboten ist entscheidend. Jede Kampagne, jeder Hinweis auf die Nummer der Frauenhelpline 0800 222 555 kann dabei helfen, die Gewaltspirale zu beenden.
Mediendownloads
Bild Frauenhelpline gegen Gewalt 01 Header Beratung, Bild Frauenhelpline gegen Gewalt Anruf 1, Bild Frauenhelpline gegen Gewalt Anruf 2 , Bild Stefani Doynova, Teamleitung Frauenhelpline
Credits: AÖF/Lydia Mantler
Factbox:
- Frauenhelpline gegen Gewalt 0800 222 555, rund um die Uhr, kostenlos, vertraulich, auf Wunsch anonym, mehrsprachig.
- Onlineberatung HelpChat: Mo-Fr 18.00–20.00 Uhr, anonym, kostenlos, vertraulich.
- Wer kann sich melden: von Gewalt betroffene Frauen und Mädchen, Angehörige und Personen aus dem Umfeld.
- Beratungsangebot: Erst- und Krisenberatung, Orientierung in sozialen und rechtlichen Fragen, Entlastungsgespräche und gezielte Weitervermittlung an regionale Frauenschutzeinrichtungen und Beratungsstellen.
Unterstützen Sie den Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser:
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www.aoef.at/finanzielle-unterstuetzung
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Rückfragen:
Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser (AÖF)
Lydia Mantler
Leitung Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: +43 660/9060611
Der AÖF zum 8. März 2026
Am 8. März, dem Internationalen Frauentag und feministischen Kampftag, machen wir auf die anhaltende Gewalt gegen Frauen aufmerksam. Trotz wichtiger Fortschritte ist der Schutz vor Gewalt für viele Frauen und Kinder noch immer keine Selbstverständlichkeit.
Der Internationale Frauentag erinnert uns daran: Ein Leben ohne Gewalt ist ein Menschenrecht.
Diese Seite wird laufend aktualisiert.
Neue Zahlen und Statistiken der Frauenhelpline gegen Gewalt (Presseaussendung)
In den vergangenen zwei Jahren ist die Zahl der Anruferinnen um rund +20 Prozent gestiegen Ein Interview mit der neuen Leitung Stefani Doynova wird in Kürze auf unserer Website veröffentlicht
„Studio 2“ am 6. März mit Elisabeth Cinatl, AÖF-Vorstandsvorsitzende
Elisabeth Cinatl informiert am 6. März in der ORF Sendung "Studio 2", welche Hilfsangebote es in Österreich für betroffene Frauen und Mädchen gibt.
KOSMOS Theater am 6. März
Am 6. März findet eine Veranstaltung des KOSMOS Theater anlässlich des feministischen Kampftages statt. AUF KEINEN FALL ALLEIN von und mit Aline-Sarah Kunisch und Christoph Radakovits. Eintritt bei freier Spende, der Erlös geht an den AÖF! Wir sagen DANKE!
Mehr unter: https://kosmostheater.at/produktion/auf-keinen-fall-allein/
Infotisch beim "Offenen Rathaus" am 7. März in Wien
Am 7. März sind wir beim Frauentag beim „Offenen Rathaus“ mit einem Infotisch vertreten. Schaut vorbei!
Unser Projekt StoP – Stadtteile gegen Partnergewalt hat viele spannende Aktionen geplant
Mehr unter: https://www.stop-partnergewalt.at/
Folgt uns auf Social Media
Jede 3. Frau ist im Laufe ihres Lebens von Gewalt betroffen. Auf Instagram und Facebook machen wir dies am 8. März sichtbar:
Instagram: @autonomefrauenhäuser
Facebook: verein.aoef
Weitere Informationen und Kontakt:
MARVOW 2.0. Abschlusskonferenz: „Unseen no more!“ – Gewalt an älteren Frauen sichtbar machen
Am 3. Februar 2026 findet in Brüssel die Konferenz “Unseen no more! Policies and partnerships to protect older women from violence” statt – ein zentraler Höhepunkt des EU-Projekts MARVOW 2.0.
Die Veranstaltung bringt europäische Entscheidungsträger:innen, Vertreter:innen der Zivilgesellschaft und Fachpersonen aus der Praxis zusammen, um die im Projekt erarbeiteten Ergebnisse vorzustellen.
MARVOW 2.0 vernetzt seit seinem Start 2019 und nun schon in der zweiten Laufzeit Expert:innen, Unterstützungsdienste und politische Akteur:innen aus ganz Europa, um einen koordinierten, multiinstitutionellen Ansatz zur Bekämpfung geschlechtsspezifischer Gewalt gegen ältere Frauen zu entwickeln. Im Rahmen des Projekts wurden u. a. Risikobewertungstools, Schulungen für Fachkräfte und die Stärkung der Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Diensten erarbeitet. Diese Ergebnisse stehen im Mittelpunkt der Diskussionen in Brüssel.
Konkrete Empfehlungen
Bei der MARVOW 2.0-Abschlusskonferenz werden insbesondere die im Projekt erarbeiteten Empfehlungen für den politischen Rahmen auf EU-Ebene sowie für die jeweiligen Partnerländer vorgestellt.
Für Österreich lauten die Empfehlungen: Das Modell der koordinierten, multiinstitutionellen Zusammenarbeit in Fällen von Gewalt gegen ältere Frauen soll systematisch implementiert werden, alle relevanten Interessengruppen einbeziehen und eine kontinuierliche Verbesserung der Richtlinien und Verfahren innerhalb der beteiligten Institutionen gewährleisten.
Zu diesem Zweck sollen regelmäßige, systemweite Steuerungsgruppen nach dem Vorbild des MARVOW‑2.0-Ansatzes eingerichtet werden. In diesen Sitzungen können die teilnehmenden Institutionen ihre Zusammenarbeit überprüfen, systemische Herausforderungen diskutieren und Verbesserungen auf politischer und prozeduraler Ebene identifizieren. Ebenso sollen sichere und vertrauliche Kommunikationskanäle geschaffen werden, um den Austausch von Instrumenten und Informationen zu erleichtern, die das Verständnis für die spezifischen Formen von Gewalt gegen ältere Frauen fördern.
Im Zweifelsfall muss der Schutz der Opfer Vorrang vor Datenschutzbedenken haben. Ergänzend wird die Einführung eines regional angepassten, alterssensiblen Rahmens empfohlen, der systemische und kulturelle Barrieren berücksichtigt. Darüber hinaus sollen altersspezifische Protokolle in polizeiliche und gerichtliche Verfahren integriert, eine nationale Sensibilisierungskampagne mit Schwerpunkt auf Gewalt gegen ältere Frauen umgesetzt und finanzielle Mittel für altersgerechte Unterstützungsdienste gesichert werden.

Über "Unseen no more!"
Die Konferenz wird vollständig in Präsenz abgehalten und umfasst Vorträge, Panel-Diskussionen und Fachgespräche, in denen Wege erörtert werden, wie politische Strategien, partnerschaftliche Kooperationen und institutionelle Netzwerke verbessert werden können, um ältere Frauen vor Gewalt zu schützen. Ziel ist es, die Erkenntnisse aus MARVOW 2.0 einer breiten europäischen Fachöffentlichkeit zugänglich zu machen und den Dialog zwischen Praxis, Politik und Zivilgesellschaft zu vertiefen.
Der Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser (AÖF) leitet das Projekt seit seinem Start 2019 und setzt seine koordinierende Rolle mit MARVOW 2.0 seit April 2023 erfolgreich fort.
Weitere Informationen zu MARVOW 2.0 und der „Unseen no more!“-Konferenz finden Sie auf der Projektwebsite: marvow.eu und marvow.eu/unseen-no-more-conference
Häusliche Gewalt zu Weihnachten ernst nehmen
Hilfe bei Gewalt gibt es in Österreich rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr. Die Frauenhelpline gegen Gewalt (0800 222 555) ist für Betroffene und Angehörige auch während der Weihnachtsferien und an Feiertagen 24/7, kostenlos und anonym erreichbar.
Die Weihnachtszeit gilt als Fest der Familie. Für viele Frauen bedeutet sie jedoch zusätzlichen Stress und ein erhöhtes Risiko für häusliche Gewalt. Enge Zeitpläne, finanzielle Sorgen und emotionale Spannungen können Konflikte in gewaltvollen Beziehungen verschärfen. Viele Betroffene suchen erst nach den Feiertagen Hilfe – oft, um die scheinbare Harmonie für Kinder oder Angehörige aufrechtzuerhalten.
Gewalt ist jedoch niemals hinzunehmen, unabhängig von Feiertagen oder besonderen Anlässen. Wer akut bedroht ist, sollte nicht zögern: Das „Fest zu retten“ darf niemals wichtiger sein als die eigene Sicherheit.
"Gewalt muss niemand aushalten – egal ob Weihnachten, Ostern oder Geburtstag ist."
- Elisabeth Cinatl, Vorsitzende des Vereins Autonome Österreichische Frauenhäuser (AÖF)
Gewalt ist keine PrivatsacheAuch Nachbarinnen und Nachbarn, Freundinnen, Freunde und Angehörige spielen eine entscheidende Rolle. Häusliche Gewalt geht häufig mit sozialer Isolation einher, wodurch Betroffene kaum selbst Hilfe holen können. Werden Schreie, Hilferufe oder bedrohliche Situationen wahrgenommen, ist es richtig und wichtig, die Gewalt zu unterbrechen – ohne sich selbst in Gefahr zu bringen. Das kann bereits ein Klingeln bei der Gegensprechanlage sein. Bei Unsicherheiten kann man sich bei der Frauenhelpline gegen Gewalt (0800 222 555) beraten lassen. In akuten Notfällen ist die Polizei zu rufen – bereits ein begründeter Verdacht reicht aus. Abseits akuter Gefahr können vertraute Personen Unterstützung anbieten, indem sie Betroffene behutsam, ohne den gewalttätigen Partner und ohne Druck ansprechen. Oft braucht es Zeit, bis eine betroffene Person bereit ist, Schritte zu setzen. Diese Unterstützung ist jedoch ein wichtiger Beitrag, um langfristig aus der Gewaltspirale auszubrechen. Beratungsstellen wie die Frauenhelpline stehen nicht nur Betroffenen selbst, sondern auch besorgten Angehörigen zur Seite. Das wichtigste: Nicht wegschauen. Aufmerksamkeit, Zivilcourage und frühzeitiges Handeln können Leben schützen – gerade in einer Zeit, in der viele Betroffene besonders allein sind.
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Unterstützung bei Gewalt für Betroffene, Angehörige und Nachbarn
Frauenhelpline gegen Gewalt: 0800 222 555
HelpChat www.haltdergewalt.at
Bei akuter Gefahr: Polizei 133
Weitere Informationen unter www.frauenhelpline.at







