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Spendenparlament unterstützt AÖF-Projekt für gewaltbetroffene ältere Frauen

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Das Wiener Spendenparlament unterstützt das AÖF-Projekt „Arbeiten mit Gesundheitseinrichtungen zur Unterstützung von gewaltbetroffenen älteren Frauen“. Das Wiener Spendenparlament – Stimmen gegen Armut unterstützt Projekte in Wien und Umgebung, die sich für...

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Erste Reaktionen auf die AÖF-Wunschzettel-Aktion

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Auch dieses Jahr gibt es wieder die Aktion Wunschzettel des Vereins Autonome Österreichische Frauenhäuser (AÖF): http://wunschzettel.aoef.at/ Die Aktion Wunschzettel der autonomen Frauenhäuser wurde ins Leben gerufen, um besonders in der Weihnachtszeit...

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Publikation zur Ringvorlesung "Eine von fünf" erschienen

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Eine von Fünf – Gewaltschutz für Frauen in allen Lebenslagen Ende November ist im Verlag Edition Ausblick der Sammelband „Eine von Fünf – Gewaltschutz für Frauen in allen Lebenslagen“ erschienen. Vortragende...

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Ausstellung "Silent Witnesses" in Vöcklabruck

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Mit den Silent Witnesses gedenken wir Frauen, die von ihren Partnern oder ehemaligen Partnern ermordet wurden. Jede Figur steht stellvertretend für eine Frau, die in den vergangenen Jahren in Österreich...

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Neuer Frauenhelpline-Spot: Keine Ausreden bei Gewalt

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Mit der neuen Kampagne der Autonomen Österreichischen Frauenhäuser "Keine Ausreden bei Gewalt" soll auf die Sprachlosigkeit der Opfer bei Gewalt gegen Frauen und Kinder aufmerksam gemacht werden. Typische „Ausreden“ der Opfer...

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Gewalt gegen Frauen mit Beeinträchtigungen und Behinderungen

Unter der Projektleitung von Claudia Hornberg und Monika Schröttle wurde erstmals eine repräsentative Studie zur Lebenssituation von Frauen mit Beeinträchtigungen und Behinderungen in Deutschland durchgeführt. Diese hat ergeben, dass die befragten Frauen besonders stark von Gewalt in jeglicher Form betroffen sind. Frauen mit Beeinträchtigungen und Behinderungen sind sowohl in hohem Ausmaß Opfer von körperlicher, sexueller und psychischer Gewalt als auch oftmals vielfältigen Formen von Diskriminierung und struktureller Gewalt ausgesetzt. Dies zeigt, dass Frauen mit Beeinträchtigungen und Behinderungen bislang unzureichend vor körperlicher, sexueller und psychischer Gewalt geschützt wurden.

Schlüsselergebnisse der Studie

Mädchen mit Beeinträchtigungen und Behinderungen sind in Hinblick auf Gewalt besonders vulnerabel und gefährdet, vor allem hinsichtlich sexuellem Missbrauch und sexuellen Übergriffen. Die Autorinnen stellen einen wechselseitigen Zusammenhang zwischen Gewalt und der gesundheitlichen Beeinträchtigung/Behinderung fest: Frauen mit Beeinträchtigungen haben ein höheres Risiko als Frauen der Durchschnittsbevölkerung[1], Opfer von Gewalt zu werden, und gleichzeitig tragen die Gewalterfahrungen häufig zu späteren gesundheitlichen und psychischen Beeinträchtigungen bei.

Die Auswertung der qualitativen Interviews ergab weiters einen Zusammenhang zwischen sexuellen Übergriffen mit Formen der Beeinträchtigung, die Hilfeleistungen im Kontext von Körperpflege erforderlich machen, und Einschränkungen der physischen Gegenwehr durch Körperbehinderung.

Die oftmalige spezifische Sozialisation der befragten Frauen zur Anspruchslosigkeit und Wehrlosigkeit fördert die Vulnerabilität für Gewalt und Dominanz in Paarbeziehungen.

Besonders auffällig sind die hohen Belastungen durch sexuelle Gewalt in Kindheit, Jugend und Erwachsenenleben. Je nach Untersuchungsgruppe[2] waren die befragten Frauen zwei- bis dreimal häufiger von sexuellem Missbrauch in der Kindheit und Jugend betroffen als Frauen der Durchschnittsbevölkerung.

Frauen mit psychischen Erkrankungen, die in Einrichtungen leben, sind die am höchsten von Gewalt belastete Gruppe der repräsentativen Befragung. Gehörlose Frauen sind die am höchsten von Gewalt belastete Gruppe der Zusatzbefragung. Von jenen wurde vor allem sexuelle Gewalt in Kindheit, Jugend und Erwachsenenleben erlebt.

Zur Studie

Unter der Leitung der Sozialwissenschafterinnen Claudia Hornberg und Claudia Schröttle wurde erstmals eine Studie in Deutschland durchgeführt, in der Frauen mit  Beeinträchtigungen und Behinderungen repräsentativ zu ihrer Lebenssituation, ihren Belastungen, zu Diskriminierungen und Gewalterfahrungen in der Kindheit sowie im Erwachsenenleben befragt wurden.

Insgesamt wurden 1.561 Frauen im Alter von 16 bis 65 Jahren, mit und ohne Behindertenausweis, in Einrichtungen oder in Haushalten lebend und mit starken, dauerhaften Beeinträchtigungen und Behinderungen befragt. Zusätzlich zu diesen quantitativen Befragungen[3] wurden in einer qualitativen Studie 31 von Gewalt betroffene Frauen mit unterschiedlichen Behinderungen in Haushalten und Einrichtungen befragt.

Gewalt in Kindheit und Jugend[4]

Je nach Untersuchungsgruppe erlebten 50 bis 60 Prozent der befragten Frauen psychische Gewalt und psychisch verletzende Handlungen durch die Eltern in ihrer Kindheit und Jugend.

20 bis 34 Prozent erlebten sexuellen Missbrauch durch Erwachsene, womit die befragten Frauen zwei- bis dreimal häufiger betroffen waren als Frauen im Bevölkerungsdurchschnitt (10 Prozent). Unter Miteinbeziehung von sexuellem Missbrauch durch andere Kinder und Jugendliche (zusätzlich zu sexuellem Missbrauch durch Erwachsene) berichtete je nach Untersuchungsgruppe jede zweite bis vierte Frau der Studie von sexuellen Übergriffen in Kindheit und Jugend. Die am häufigsten betroffene Gruppe waren gehörlose Frauen (52 Prozent), gefolgt von blinden Frauen (40 Prozent). Auch psychisch erkrankte Frauen (36 Prozent) und körperlich-/mehrfachbehinderte Frauen (34 Prozent) waren besonders häufig von sexuellen Übergriffen in Kindheit und Jugend betroffen.

Auffällig ist, dass Frauen, die in der Kindheit ganz oder teilweise in Einrichtungen aufgewachsen sind, dort in erheblichem Ausmaß psychischer und körperlicher Gewalt ausgesetzt waren: Die Hälfte (48 Prozent) der in einfacher Sprache befragten Frauen, die in Heimen oder Internaten ganz oder zum Teil aufgewachsen sind, erlebten dort psychische Übergriffe und mehr als ein Drittel (35 Prozent) körperliche Übergriffe.

Gewalt im Erwachsenenleben[5]

68 bis 90 Prozent der befragten Frauen erlebte, abhängig von der Untersuchungsgruppe, psychische Gewalt und psychisch verletzende Handlungen im Erwachsenenleben, wobei gehörlose, blinde und psychisch erkrankte Frauen mit 84 bis 90 Prozent die am häufigsten betroffenen Gruppen.

Mit 58 bis 75 Prozent waren mehr als doppelt so viele Frauen mit Beeinträchtigungen und Behinderungen von körperlicher Gewalt betroffen als Frauen der Durchschnittsbevölkerung (35 Prozent). Vor allem gehörlose (73 Prozent) und psychisch erkrankte Frauen (75 Prozent) erlebten bisher in ihrem Leben physische Gewalt.

Zu sexuellen Handlungen wurden je nach Untersuchungsgruppe 21 bis 43 Prozent der Frauen gezwungen, am häufigsten dabei gehörlose (43 Prozent) und psychische erkrankte Frauen (38 Prozent).

Eine besonders von Gewalt im Erwachsenenleben betroffene Gruppe sind gehörlose Frauen. Jene sind am meisten von körperlicher und sexueller Gewalt betroffen – 75 Prozent der gehörlosen Frauen erlebte körperliche Gewalt seit dem 16. Lebensjahr, 43 Prozent der gehörlosen Frauen war von sexueller Gewalt im Erwachsenenleben betroffen, und 84 Prozent erlebte psychische Übergriffe und psychisch verletzende Handlungen. Weiters sind gehörlose Frauen oftmals von körperlicher Partnergewalt betroffen.

Gewaltkontext und Täterinnen und Täter[6]

Wie bei Frauen im Bevölkerungsdurchschnitt stammen die Täterinnen und Tätern überwiegend aus dem unmittelbaren sozialen Nahraum von Partnerschaft und Familie, also aus dem häuslichen Kontext.

Frauen mit Beeinträchtigungen und Behinderungen sind deutlich häufiger von psychischer, körperlicher und sexueller Gewalt durch den Partner betroffen als Frauen im Bevölkerungsdurchschnitt.

Bei Frauen, die in Einrichtungen leben, ist die körperliche und sexuelle Gewalt durch BewohnerInnen und ArbeitskollegInnen sowie psychische Gewalt durch BewohnerInnen und Personal besonders signifikant.

Multiple Gewalterfahrungen in Kindheit, Jugend und Erwachsenenleben[7]

Die Ergebnisse der Studie zeigen klar auf, dass Frauen mit Beeinträchtigungen und Behinderungen sowohl erheblich häufiger einzelnen Formen von Gewalt in Kindheit, Jugend und im Erwachsenenleben, als auch erheblich häufiger fortgesetzte und multiple Gewalterfahrungen in Kindheit, Jugend und im Erwachsenenleben erleben als Frauen der Durchschnittsbevölkerung.

Fazit und Ausblick

Das hohe Ausmaß der Gewalt, die Frauen mit Beeinträchtigungen und Behinderungen in allen Lebensphasen erlebten, zeigt klar auf, dass jene bislang unzureichend vor körperlicher, sexueller und psychischer Gewalt geschützt wurden.

Niederschwellige, barrierefreie Schutz- und Unterstützungsangebote für Frauen mit Beeinträchtigungen und Behinderungen sind dringend gefordert.

Auch die wichtige Rolle von Ärztinnen und Ärzte als Vermittlerinnen und Vermittler an Hilfseinrichtungen ist zu betonen. Aufklärung und Sensibilisierung von Berufsgruppen, die erste Ansprechpartnerinnen und -partner für gewaltbetroffene Frauen sind, muss daher erfolgen.

Festzuhalten gilt auch, dass die dargestellte personale Gewalt gegen Frauen mit Beeinträchtigungen und Behinderungen in ein System, das von struktureller Gewalt und Diskriminierung jener geprägt ist, eingebettet ist.

Gewaltprävention kann nur greifen, wenn diese mit einem konsequenten Abbau von Diskriminierung und struktureller Gewalt gegen Frauen und Mädchen mit Beeinträchtigungen und Behinderungen einhergeht.

 

Quelle:

Schröttle, Hornberg, Glammeier, Sellach, Kavemann, Puhe, Zinsmeister (2012): Lebenssituation und Belastungen von Frauen mit Beeinträchtigungen und Behinderungen in Deutschland. Bielefeld, Frankfurt, Berlin, Köln.


Diese Zusammenfassung
der Studie als PDF hier zum Downloaden

Kurzfassung der Studie hier online abrufbar

http://www.bmfsfj.de/RedaktionBMFSFJ/Broschuerenstelle/Pdf-Anlagen/Lebenssituation-und-Belastungen-von-Frauen-mit-Behinderungen-Kurzfassung,property=pdf,bereich=bmfsfj,sprache=de,rwb=true.pdf

Fact Sheet zur Studie kann hier heruntergeladen werden


[1] Die Vergleiche mit Frauen der Durchschnittsbevölkerung beziehen sich auf die Forschungsergebnisse folgender Studie: Schröttle, Monika/Müller, Ursula (2004): Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit von Frauen in Deutschland. Eine repräsentative Untersuchung zu Gewalt gegen Frauen in Deutschland. Im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Berlin.

[2] 800 Frauen wurden über einen repräsentativen Haushaltszugang, 420 Frauen im Rahmen einer repräsentativen Einrichtungsbefragung und 341 Frauen im Rahmen einer nichtrepräsentativen Zusatzbefragung in Haushalten (seh-, hör- und schwerstkörper- und mehrfachbehinderte Frauen) befragt.

[3] Jene wurde mit einem strukturierten Fragebogen durchgeführt.

[4] Dieser Abschnitt bezieht sich auf die Ergebnisse der quantitativen Forschung.

[5] Dieser Abschnitt bezieht sich auf die Ergebnisse der quantitativen Forschung.

[6] Dieser Abschnitt bezieht sich auf die Ergebnisse der quantitativen Forschung.

[7] Dieser Abschnitt bezieht sich auf die Ergebnisse der quantitativen Forschung.

Die Informationsstelle gegen Gewalt wird gefördert von

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